Zwei Kostenblöcke sauber trennen
Ein fairer Vergleich betrachtet zwei Dinge getrennt: die Betriebskosten (was das Heizen jedes Jahr kostet) und die Investition (was der Einbau kostet, abzüglich Förderung). Wer beides vermischt, rechnet sich die Sache je nach Absicht schön oder schlecht. Dieser Artikel nimmt zuerst die Betriebskosten – da liegt der eigentliche Vergleich – und ordnet die Investition anschließend ehrlich ein.
Die faire Formel: Kosten je kWh Wärme
Strom und Gas lassen sich nicht direkt vergleichen, weil eine Wärmepumpe aus 1 kWh Strom mehrere kWh Wärme macht, ein Gaskessel aus 1 kWh Gas etwas weniger als 1 kWh Wärme. Deshalb rechnet man beides auf die Wärmegestehungskosten um:
Gas: Kosten je kWh Wärme = Gaspreis ÷ Nutzungsgrad
Beispiel mit aktuellen Richtwerten: Wärmepumpe 25 ct ÷ JAZ 3,5 = 7,1 ct/kWh Wärme. Gas 11 ct ÷ Nutzungsgrad 0,9 = 12,2 ct/kWh Wärme. In diesem Fall ist die Wärmepumpe im Betrieb deutlich günstiger. Dreht man an den Zahlen – teurer Haushaltsstrom statt Wärmepumpentarif, niedrige JAZ, billiger Gastarif – kann sich das Bild verschieben. Genau das macht der Rechner sichtbar.
Betriebskosten-Rechner
Trag deine eigenen Zahlen ein. Die Vorgaben sind grobe Richtwerte (Stand Oktober 2026) und sollten durch deine echten Preise ersetzt werden.
Jahreskosten: Wärmepumpe gegen Gas
Reine Energiekosten-Betrachtung. Grundpreise, Wartung, Schornsteinfeger und Reparaturen sind nicht enthalten; sie fallen bei Gas tendenziell etwas höher aus. Preise und JAZ sind Annahmen – das Ergebnis ist eine Orientierung, keine Abrechnung.
Der Break-even-Gaspreis
Ein nützlicher Blickwinkel: Ab welchem Gaspreis ist die Wärmepumpe günstiger? Die Grenze liegt dort, wo beide gleich teuer heizen:
Mit 25 ct Strom, Nutzungsgrad 0,9 und JAZ 3,5 ergibt das rund 6,4 ct/kWh. Liegt der reale Gaspreis darüber – und das tut er aktuell mit rund 11 ct/kWh deutlich –, heizt die Wärmepumpe günstiger. Je höher die JAZ und je günstiger der Stromtarif, desto niedriger wird dieser Schwellenwert und desto klarer der Vorteil.
Der CO2-Preis macht Gas planbar teurer
Ein Punkt, der in jede ehrliche Rechnung gehört: Fossile Brennstoffe sind mit einem CO2-Preis belegt, der tendenziell steigt. 2026 liegt er bei rund 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 – das entspricht beim Erdgas etwa 1,3 bis 1,5 ct/kWh, die im Gaspreis bereits enthalten sind. Mit dem Übergang in den europäischen Emissionshandel (ETS 2) ab 2028 rechnen Projektionen mit einem deutlichen Anstieg; einzelne Szenarien sehen Werte von 90 Euro pro Tonne und mehr. Für die Wärmepumpe spricht also nicht nur der heutige Vergleich, sondern auch die Richtung: Die Gasseite der Rechnung wird über die Jahre eher teurer.
Investition und Amortisation – ehrlich eingeordnet
Eine Wärmepumpe kostet in der Anschaffung meist mehr als ein Gas-Brennwertkessel. Dem steht die staatliche Förderung gegenüber, die einen erheblichen Teil der Mehrkosten abdecken kann. Die Amortisation ist deshalb stark von zwei Dingen abhängig, die niemand exakt kennt: der tatsächlichen Mehrinvestition nach Förderung und der künftigen Preisentwicklung von Strom und Gas.
Wann Gas im Betrieb (noch) mithalten kann
Damit es fair bleibt: Es gibt Konstellationen, in denen der Betriebskostenvorteil der Wärmepumpe klein wird. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die JAZ niedrig ausfällt – etwa in einem schlecht gedämmten Haus mit hohen Vorlauftemperaturen und häufigem Heizstab-Einsatz – und gleichzeitig kein Wärmepumpentarif, sondern teurer Haushaltsstrom genutzt wird. Bei JAZ 2,5 und 35 ct Haushaltsstrom liegt die Wärmepumpe bei 14 ct/kWh Wärme und damit ungefähr gleichauf mit Gas. Die Lehre daraus ist nicht „dann lieber Gas", sondern: Der wirtschaftliche Erfolg der Wärmepumpe wird bei der Auslegung entschieden – niedrige Vorlauftemperatur, guter Abgleich, passender Tarif.
Richtwerte für den Einstieg
| Größe | Richtwert (Stand Okt. 2026) | Hinweis |
|---|---|---|
| Gaspreis Haushalt | ca. 11 ct/kWh (Grundversorgung höher) | inkl. CO2-Anteil; tarifabhängig |
| Wärmepumpen-Stromtarif | ca. 20–28 ct/kWh | §14a-Tarife, separater/steuerbarer Zähler |
| Haushaltsstrom | ca. 30–38 ct/kWh | falls kein Wärmepumpentarif genutzt wird |
| JAZ Luft-Wasser | ca. 3,0–4,0 | stark von Vorlauftemperatur abhängig |
| Nutzungsgrad Gas-Brennwert | ca. 0,85–0,95 | bezogen auf den Brennwert |
Typische Fehler im Vergleich
- Strom- und Gaspreis direkt vergleichen: Ohne Umrechnung über JAZ und Nutzungsgrad ist der Vergleich wertlos.
- Datenblatt-COP als JAZ ansetzen: Die reale JAZ ist niedriger – konservativ rechnen.
- Haushaltsstrom statt Wärmepumpentarif: Verändert das Ergebnis deutlich.
- CO2-Preis vergessen: Er verteuert Gas heute schon und künftig stärker.
- Investition und Betrieb vermischen: Erst die laufenden Kosten vergleichen, dann die Investition mit Förderung einordnen.
- Förderung ignorieren: Sie verändert die Amortisation erheblich.
Häufige Fragen
Ist eine Wärmepumpe günstiger als eine Gasheizung?
Wie vergleiche ich die Betriebskosten?
Ab welchem Gaspreis lohnt sich die Wärmepumpe?
Erhöht der CO2-Preis die Gaskosten?
Ist die Investition in der Rechnung enthalten?
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Quellen und weiterführende Informationen
- BDEW: Gaspreisanalyse – durchschnittliche Gaspreise für Haushalte
- Verbraucherzentrale: Marktcheck Wärmepumpen-Stromtarife
- Finanztip: Strompreis – aktuelle Entwicklung
- Umweltbundesamt: CO2-Bepreisung (BEHG / ETS 2) und Projektionen
Hinweis: Diese Seite liefert eine Orientierung, keine Finanz- oder Energieberatung im Einzelfall. Preise, Förderung und JAZ hängen stark vom konkreten Fall ab und ändern sich. Für eine Entscheidung immer mit aktuellen, eigenen Zahlen rechnen.