COP, JAZ und SCOP: die Kennzahlen der Wärmepumpe verständlich erklärt

Drei Abkürzungen, die ständig durcheinandergeworfen werden – dabei messen sie Unterschiedliches. Hier steht, was dahintersteckt, wie man sie liest und welche Werte gut sind.

Kurz gesagt: Alle drei beschreiben die Effizienz einer Wärmepumpe, aber auf verschiedenen Ebenen. Der COP ist ein Laborwert bei genau festgelegten Bedingungen (z. B. A2/W35) – eine Momentaufnahme. Der SCOP ist ein rechnerischer saisonaler Wirkungsgrad für eine genormte Klimazone und bildet die Basis des Energielabels. Die JAZ ist der reale Jahresmittelwert deiner konkreten Anlage im Betrieb – inklusive Abtauung, Hilfsenergie und oft Heizstab. Fürs Datenblatt zählt der COP/SCOP, für die tatsächliche Stromrechnung die JAZ.

Die drei Kennzahlen im Überblick

KennzahlWas sie misstBedingungenWofür
COP
(Coefficient of Performance / Leistungszahl)
Momentaner Wirkungsgrad: Wärmeleistung ÷ elektrische LeistungsaufnahmeEinzelner Prüfpunkt nach EN 14511, z. B. A2/W35Vergleich von Geräten im Datenblatt
SCOP
(Seasonal COP)
Saisonaler Wirkungsgrad über ein Normjahr und LastprofilBerechnet nach EN 14825, definierte KlimazoneGrundlage für das Energielabel (ηs)
JAZ
(Jahresarbeitszahl / SPF)
Reale gelieferte Wärme ÷ real eingesetzter Strom über ein JahrGemessen an der konkreten Anlage im BetriebTatsächlicher Verbrauch und Kosten

Die Reihenfolge ist zugleich der Weg vom Ideal zur Realität: Der COP ist der schönste Einzelwert, der SCOP mittelt schon über eine Saison, und die JAZ sagt, was bei dir zu Hause wirklich herauskommt. Datenblatt-Werte sind deshalb kein Versprechen für die JAZ.

Der COP – die Momentaufnahme

Der COP ist das Verhältnis aus abgegebener Wärmeleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung in einem bestimmten Betriebspunkt. Ein COP von 4 heißt: In diesem Punkt werden aus 1 kW Strom 4 kW Wärme. Weil der Wert stark von den Temperaturen abhängt, ist er ohne Angabe der Bedingungen wertlos – genau dafür gibt es die Temperaturnotation.

So liest du A2/W35, B0/W35 & Co.

Der erste Teil ist die Quellentemperatur, der zweite die Vorlauftemperatur des Heizwassers. Der Buchstabe nennt das Medium der Quelle:

NotationBedeutungQuelle
AAir – AußenluftLuft-Wasser-Wärmepumpe
BBrine – SoleSole-Wasser (Erdreich)
WWater – WasserWasser-Wasser (Grundwasser)

Beispiele: A2/W35 = Außenluft 2 °C, Vorlauf 35 °C. A-7/W35 = −7 °C Außenluft (kalter Auslegungsfall). B0/W35 = Sole 0 °C, Vorlauf 35 °C. Je kälter die Quelle und je höher der Vorlauf, desto niedriger fällt der COP aus. Deshalb sind COP-Werte nur bei gleicher Notation vergleichbar – ein A2/W35-Wert gegen einen A7/W45-Wert zu stellen, führt in die Irre.

Warum die Temperaturdifferenz alles bestimmt

Physikalisch ist die Wärmepumpe durch den Carnot-Prozess begrenzt. Der theoretisch maximale COP hängt nur von den beiden Temperaturen ab (in Kelvin gerechnet):

COPCarnot = TVorlauf ÷ (TVorlauf − TQuelle)   (Temperaturen in Kelvin)

Reale Wärmepumpen erreichen davon nur einen Teil – den Gütegrad, meist rund 40 bis 50 %. Ein Rechenbeispiel macht den Hebel sichtbar: Bei Quelle 2 °C (275 K) und Vorlauf 35 °C (308 K) ist der Carnot-COP 308 ÷ 33 ≈ 9,3; mit Gütegrad 45 % bleibt ein realer COP von etwa 4,2. Steigt der Vorlauf auf 55 °C (328 K), sinkt der Carnot-COP auf 328 ÷ 53 ≈ 6,2 und der reale COP auf etwa 2,8. Dieselbe Quelle, nur 20 K mehr Vorlauf – und ein Drittel der Effizienz ist weg. Das ist der Grund, warum sich im Wärmepumpenbetrieb alles um eine niedrige Vorlauftemperatur dreht.

Der SCOP – die Brücke zum Energielabel

Ein einzelner COP greift zu kurz, weil eine Wärmepumpe über das Jahr bei ganz unterschiedlichen Temperaturen läuft. Der SCOP mittelt nach EN 14825 über ein genormtes Lastprofil und eine Klimazone (kälteres, durchschnittliches, wärmeres Klima). Aus ihm wird die Raumheizungs-Jahreseffizienz ηs abgeleitet, die auf dem EU-Energielabel landet. Der SCOP ist damit realistischer als ein einzelner COP – aber immer noch ein Normwert, keine Messung an deiner Anlage.

Die JAZ – was wirklich zählt

Die Jahresarbeitszahl ist die über ein Jahr tatsächlich gelieferte Wärme geteilt durch den tatsächlich verbrauchten Strom. Sie ist die einzige der drei Zahlen, die deine konkrete Anlage in deinem Haus beschreibt – und damit die, die deine Stromrechnung bestimmt.

Entscheidend ist die Bilanzgrenze. Eine JAZ ist nur aussagekräftig, wenn klar ist, was mitgezählt wird: nur Heizung oder auch Warmwasser? Mit oder ohne Hilfsenergie (Pumpen, Steuerung, Abtauung)? Mit oder ohne Heizstab? Je weiter die Grenze gezogen wird, desto niedriger – und ehrlicher – fällt die Zahl aus. Die rechnerische Prognose nach VDI 4650 schätzt die JAZ vorab aus Datenblattwerten; die reale JAZ zeigt sich erst im Betrieb.

Rechner: deine eigene JAZ aus Messwerten

Hast du einen Wärmemengenzähler und einen (Unter-)Stromzähler für die Wärmepumpe, kannst du deine echte JAZ selbst bestimmen: gelieferte Wärme geteilt durch verbrauchten Strom über denselben Zeitraum (idealerweise ein volles Jahr).

Jahresarbeitszahl berechnen

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JAZ = gelieferte Wärme ÷ verbrauchter Strom, über denselben Zeitraum. Für eine belastbare Zahl zählt ein volles Betriebsjahr; kürzere Zeiträume sind nur Momentaufnahmen. Achte darauf, dass beide Werte dieselbe Bilanzgrenze haben (z. B. beide inkl. Warmwasser).

Richtwerte: welche JAZ ist gut?

WärmequelleTypischer JAZ-BereichEinordnung
Luft-Wasser-Wärmepumpeca. 3,0–4,0stark klima- und temperaturabhängig
Sole-Wasser (Erdreich)ca. 4,0–5,0stabile Quelle, meist höhere JAZ
Wasser-Wasser (Grundwasser)ca. 4,5–5,5beste Quelle, höchster Erschließungsaufwand

Was die JAZ nach oben oder unten zieht

VorlauftemperaturDer größte Hebel. Jedes Grad weniger verbessert die Effizienz spürbar – siehe Carnot-Beispiel oben.
WärmequelleErdreich und Grundwasser liefern im Winter stabilere, höhere Temperaturen als Außenluft.
Hydraulischer AbgleichEin sauberer Abgleich erlaubt eine niedrigere Vorlauftemperatur fürs ganze Haus.
Heizstab und TaktenHäufiger Heizstab-Einsatz (Arbeitszahl 1) und unnötiges Takten drücken die JAZ.
WarmwasserHohe Warmwassertemperaturen senken die JAZ – je größer der Warmwasseranteil, desto stärker.

Typische Missverständnisse

  • COP mit JAZ gleichsetzen: Der Datenblatt-COP bei A7/W35 ist fast immer höher als die reale JAZ.
  • COP ohne Notation vergleichen: Ohne die Temperaturangabe ist ein COP-Wert nicht einzuordnen.
  • SCOP für die Stromrechnung nehmen: Der SCOP ist ein Normwert, keine Messung deiner Anlage.
  • Bilanzgrenze ignorieren: Eine JAZ „ohne Warmwasser und ohne Hilfsenergie" sieht gut aus, sagt aber wenig über die reale Rechnung.
  • Eine Woche messen und hochrechnen: Erst ein volles Jahr liefert eine belastbare JAZ.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen COP und JAZ?
Der COP ist ein Laborwert in einem einzelnen Betriebspunkt (z. B. A2/W35). Die JAZ ist der reale Jahresmittelwert deiner Anlage inklusive Abtauung, Hilfsenergie und oft Heizstab.
Was bedeutet SCOP?
Der saisonale COP nach EN 14825 – ein über ein Normjahr und Lastprofil berechneter Wirkungsgrad, Grundlage des Energielabels. Er liegt zwischen COP und realer JAZ.
Was bedeutet A2/W35?
Quellentemperatur vor dem Schrägstrich, Vorlauftemperatur dahinter: Außenluft 2 °C, Heizungsvorlauf 35 °C. A = Luft, B = Sole, W = Wasser.
Welche JAZ ist gut?
Luft-Wasser: rund 3,5–4,0. Sole-Wasser: rund 4,0–5,0. Entscheidend sind niedrige Vorlauftemperatur, hydraulischer Abgleich und passende Auslegung.
Wie berechne ich meine eigene JAZ?
Gelieferte Wärme (Wärmemengenzähler) geteilt durch verbrauchten Strom (Stromzähler) über denselben Zeitraum, idealerweise ein volles Jahr.
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Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Diese Seite erläutert die Kennzahlen als Orientierung. Genormte Definitionen und Prüfbedingungen stehen in den jeweiligen Normen; reale Werte hängen von Gebäude, Anlage und Nutzung ab.

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