Witterungsbereinigung: Mehr verbraucht – oder nur ein kalter Winter?

Die neue Heizkostenabrechnung zeigt mehr Verbrauch als im Vorjahr. Liegt das an der Heizung, am eigenen Verhalten – oder einfach am Wetter? Mit der Witterungsbereinigung vergleichst du zwei Jahre fair miteinander.

Rechner: Heizverbrauch witterungsbereinigt vergleichen

Trag den Verbrauch aus zwei Abrechnungen ein und den passenden Klimafaktor des Deutschen Wetterdienstes für deine Postleitzahl und den jeweiligen Abrechnungszeitraum. Voreingestellt ist das Rechenbeispiel unten mit den echten Klimafaktoren für Neustadt an der Weinstraße – überschreib die Werte einfach mit deinen.

Für beide Jahre dieselbe Einheit verwenden.
Für den Verbrauch pro m²

Zeitraum 1 (z. B. Vorjahr)

Zeitraum 2 (z. B. letztes Jahr)

Zum Beispiel Juli. Wird mal 12 genommen und für beide Zeiträume gleich angesetzt.

–
Zeitraum 1Zeitraum 2Veränderung

Die Klimafaktoren des DWD rechnen auf das Referenzklima Potsdam um. Für den Vergleich zweier Jahre am selben Ort ist das egal – entscheidend ist die Veränderung. Warmwasser wird nicht witterungsbereinigt, weil es kaum vom Wetter abhängt.

Was bedeutet Witterungsbereinigung?

Wie viel du heizen musst, hängt stark vom Wetter ab. Ein langer, kalter Winter treibt den Verbrauch nach oben, ein milder senkt ihn – auch wenn sich am Haus und an deinem Verhalten nichts geändert hat. Zwei Abrechnungen direkt zu vergleichen, führt deshalb oft zu falschen Schlüssen.

Die Witterungsbereinigung rechnet den Heizverbrauch auf ein einheitliches Klima um. Grundlage sind die Gradtagzahlen: Sie beschreiben, wie viel an jedem Heiztag geheizt werden musste – je kälter, desto höher die Zahl. Der Deutsche Wetterdienst fasst das zu Klimafaktoren zusammen, für jede Postleitzahl und jeden Zwölf-Monats-Zeitraum.

Bereinigter Heizverbrauch = Heizverbrauch × Klimafaktor

Ein Klimafaktor unter 1 bedeutet: Der Zeitraum war an deinem Ort kälter als das Referenzklima, der Verbrauch wird nach unten korrigiert. Ein Faktor über 1 bedeutet: Es war milder, der Verbrauch wird nach oben korrigiert.

Wo finde ich den Klimafaktor?

Der Deutsche Wetterdienst stellt die Klimafaktoren kostenlos bereit, auf seiner Website unter Leistungen › Klimafaktoren als Excel-Datei zum Herunterladen. So gehst du vor:

  • Lade die Datei herunter und such die Zeile mit deiner Postleitzahl.
  • Wähl die Spalte, die zu deinem Abrechnungszeitraum passt. Die Faktoren gelten jeweils für einen Zeitraum von zwölf Monaten.
  • Mach das für beide Abrechnungen, die du vergleichen willst.

Wichtig: Beide Abrechnungen sollten jeweils zwölf Monate umfassen. Bei kürzeren oder längeren Zeiträumen ist der Vergleich nicht sauber.

Warum Warmwasser herausrechnen?

Wird das Warmwasser über die Heizung erzeugt, steckt es mit im Verbrauch. Es hängt aber kaum vom Wetter ab: Geduscht wird im Sommer wie im Winter. Würde man den Gesamtverbrauch bereinigen, würde auch der Warmwasseranteil mit dem Klimafaktor „korrigiert“ – das verfälscht das Ergebnis.

Am einfachsten schätzt du den Warmwasseranteil über den Sommer: In einem Monat ohne Heizbetrieb, etwa im Juli, ist praktisch der gesamte Verbrauch Warmwasser. Diesen Wert mal zwölf ergibt eine gute Näherung für das Jahr. Genauer geht es mit einem Wärmemengenzähler für das Warmwasser oder den getrennten Werten aus der Heizkostenabrechnung im Mehrfamilienhaus.

Rechenbeispiel

Ein Einfamilienhaus in Neustadt an der Weinstraße (PLZ 67433) mit Gasheizung, Warmwasser über die Heizung. Die Klimafaktoren sind die echten Werte des DWD für die Kalenderjahre 2024 und 2025, die Verbräuche sind ein Beispiel:

  • 2024: 18.000 kWh, Klimafaktor 1,37
  • 2025: 19.300 kWh, Klimafaktor 1,26
  • Sommerverbrauch: 250 kWh im Monat, also 3.000 kWh Warmwasser im Jahr

Auf den ersten Blick sind das gut 7 % mehr Verbrauch. Ohne Warmwasser bleiben 15.000 kWh und 16.300 kWh zum Heizen. Bereinigt: 15.000 × 1,37 = 20.550 kWh und 16.300 × 1,26 = 20.538 kWh. Der Heizverbrauch ist also praktisch gleich geblieben – der Mehrverbrauch lag am Wetter. 2025 war in Neustadt nach den Gradtagzahlen rund 9 % kälter als 2024.

Grenzen der Witterungsbereinigung

Die Bereinigung gleicht nur das Wetter aus. Andere Einflüsse bleiben drin und können ein Ergebnis erklären, das nicht zum Wetter passt:

  • mehr oder weniger Personen im Haushalt, Homeoffice, längere Abwesenheit
  • geänderte Raumtemperaturen oder Heizzeiten
  • Umbauten, Dämmung, neue Fenster oder ein Heizungstausch im Vergleichszeitraum
  • Ablese- oder Schätzwerte in der Abrechnung, Lagerbestand bei Öl und Pellets

Bleibt nach der Bereinigung ein deutlicher Mehrverbrauch, lohnt sich ein Blick auf die Anlage: Heizkurve, Pumpeneinstellung und hydraulischer Abgleich. Wie du aus dem Verbrauch die Heizlast deines Hauses abschätzt, erklärt der Artikel Heizlast aus dem Verbrauch.