Thermostatventil voreinstellen: vom kv-Wert zur Voreinstellstufe

Warum man die Voreinstellzahl nicht raten kann – und wie aus Soll-Volumenstrom und Differenzdruck die richtige Einstellung am Ventil entsteht.

Kurz gesagt: Die Voreinstellung begrenzt den Durchfluss am Thermostatventil, damit jeder Heizkörper nur seine benötigte Wassermenge bekommt. Die richtige Stufe lässt sich nicht raten und nicht pauschal übertragen: Zuerst wird aus dem Soll-Volumenstrom und dem am Ventil vorgesehenen Differenzdruck der erforderliche kv-Wert bestimmt – die konkrete Voreinstellstufe liefert dann die Herstellertabelle des eingebauten Ventils.

Was macht die Voreinstellung?

Ein voreinstellbares Thermostatventil besitzt neben dem Thermostatkopf eine zusätzliche, einstellbare Drosselstelle. Über diese wird der maximal mögliche Durchfluss begrenzt. So erhält ein Heizkörper nahe der Pumpe nicht mehr Wasser, als er braucht, während weiter entfernte Heizkörper nicht zu kurz kommen.

Die Voreinstellung ist damit das Werkzeug, mit dem der hydraulische Abgleich an der Heizfläche umgesetzt wird. Ohne Begrenzung verteilt sich das Heizwasser nach dem geringsten Widerstand – nicht nach dem tatsächlichen Bedarf.

Warum „alle Ventile gleich" nicht funktioniert

Jeder Heizkörper hat eine andere Leistung, einen anderen Soll-Volumenstrom und einen anderen hydraulischen Weg. Zwei Ventile auf dieselbe Stufe zu stellen, führt deshalb nicht zu gleichen Durchflüssen. Entscheidend ist der Durchfluss, den jedes einzelne Ventil unter den real anliegenden Druckverhältnissen durchlässt – und der hängt von der eingestellten Drosselung und vom Differenzdruck ab.

Der Rechenweg: Soll-Volumenstrom → kv-Wert → Voreinstellstufe

1. Soll-Volumenstrom bestimmenAus der Heizleistung des Raums und der geplanten Spreizung ergibt sich, wie viel Wasser durch den Heizkörper fließen soll (siehe Volumenstrom berechnen).
2. Differenzdruck am Ventil festlegenWie viel Druckdifferenz steht am Ventil zur Verfügung? Dieser Wert ergibt sich aus der Pumpenförderhöhe abzüglich der Verluste bis zum Ventil – oder wird in größeren Anlagen über Differenzdruckregler im Strang konstant gehalten.
3. Erforderlichen kv-Wert berechnenAus Soll-Volumenstrom und Differenzdruck folgt der benötigte kv-Wert des Ventils.
4. Voreinstellstufe ablesenMit dem kv-Wert geht man in die Tabelle des konkreten Ventilherstellers und liest die passende Voreinstellstufe ab.
kv = V̇ [m³/h] / √(Δp [bar]) V̇ = Soll-Volumenstrom · Δp = Differenzdruck am Ventil · für Wasser näherungsweise

Der kv-Wert beschreibt den Durchfluss in m³/h, den das Ventil bei 1 bar Differenzdruck durchlässt. Jede Voreinstellstufe eines Ventils hat ihren eigenen kv-Wert; der kvs-Wert ist der Durchfluss bei voll geöffnetem Ventil. Für die Einstellung sucht man in der Herstellertabelle die Stufe, deren kv-Wert dem erforderlichen Wert am nächsten kommt.

Beispiel

Ein Heizkörper benötigt 86 l/h (= 0,086 m³/h), am Ventil sollen 10 kPa (= 0,10 bar) anliegen:

kv = 0,086 / √0,10 ≈ 0,27

Ein kv-Wert von rund 0,27 – welche Voreinstellzahl dazu gehört, hängt vom eingebauten Ventil ab.

kv-Wert-Rechner

Gib Soll-Volumenstrom und Differenzdruck am Ventil ein. Den berechneten kv-Wert suchst du anschließend in der Tabelle deines Ventilherstellers.

–
Wichtig: Ein berechneter kv-Wert ist noch keine universelle Ventilposition. Die Skalen „1, 2, 3 …" verschiedener Hersteller (z. B. Danfoss, Oventrop, IMI/Heimeier) sind nicht untereinander vergleichbar. Für die tatsächliche Einstellung sind die Kennwerte des konkret eingebauten Ventils maßgeblich.

Woher kommt der Differenzdruck am Ventil?

Der am Ventil anliegende Differenzdruck ist keine feste Größe. Er ergibt sich aus der Förderhöhe der Pumpe abzüglich aller Druckverluste auf dem Weg bis zum Ventil und zurück. Nahe der Pumpe liegt tendenziell mehr Differenzdruck an als am entferntesten Heizkörper.

In größeren Anlagen werden deshalb Differenzdruckregler eingesetzt, die den Differenzdruck – meist strangweise – konstant halten. Sie arbeiten dynamisch und sind von den statisch eingestellten Strangregulierventilen zu unterscheiden, die einen festen Widerstand im Strang einstellen. Ein konstant gehaltener Differenzdruck macht die Voreinstellung berechenbarer und stabiler, weil sich die Druckverhältnisse beim Öffnen und Schließen anderer Ventile nicht ständig verschieben.

Ventilautorität – der oft übersehene Punkt

Damit ein Thermostatventil sauber regelt, muss es einen ausreichenden Anteil des Druckverlustes im geregelten Kreis selbst übernehmen. Dieses Verhältnis nennt man Ventilautorität:

a = ΔpVentil / Δpgeregelter Kreis ΔpVentil = Druckverlust am voll geöffneten Ventil beim Auslegungsdurchfluss

Ist die Autorität zu niedrig, reagiert der Durchfluss überproportional auf kleine Hubänderungen – das Ventil regelt grob, kann schwingen und Strömungsgeräusche verursachen. In der Praxis wird meist eine Autorität von etwa 0,3 bis 0,5 angestrebt. Ein zu großer Pumpendruck „ertränkt" die Ventilautorität und ist deshalb kein Ersatz für eine saubere Auslegung.

Thermostatventil oder Rücklaufverschraubung?

Die Durchflussbegrenzung kann je nach Heizkörper- und Ventiltyp an unterschiedlichen Stellen erfolgen: am voreinstellbaren Thermostatventil selbst oder an einer voreinstellbaren Rücklaufverschraubung (bei Ventilheizkörpern teils kombiniert). Das Prinzip bleibt gleich – begrenzt wird der maximale Durchfluss des Heizkörperkreises. Wichtig ist nur, dass die Drosselung an genau einer definierten Stelle erfolgt und dokumentiert wird.

Druckunabhängige (dynamische) Ventile

Eine moderne Alternative sind druckunabhängige Thermostatventile bzw. Ventile mit integriertem Durchflussregler. Sie halten den eingestellten Volumenstrom unabhängig vom anliegenden Differenzdruck konstant. Dadurch entfällt das kv-Rechnen: Man stellt direkt den gewünschten Soll-Volumenstrom in l/h ein.

Der Vorteil zeigt sich vor allem in Anlagen mit stark schwankenden Druckverhältnissen – etwa wenn viele Ventile gleichzeitig öffnen und schließen. Der hydraulische Abgleich wird dadurch robuster und weniger empfindlich gegen Betriebszustände.

Typische Fehler

  • Alle Ventile gleich einstellen: Gleiche Stufe bedeutet nicht gleicher Durchfluss.
  • Voreinstellzahl raten oder von einem anderen Ventil übernehmen: Die Skalen verschiedener Hersteller sind nicht vergleichbar.
  • Differenzdruck ignorieren: Ohne den tatsächlich anliegenden Differenzdruck ist kein kv-Wert und keine Stufe bestimmbar.
  • Pumpendruck als Lösung: Mehr Förderhöhe senkt die Ventilautorität und verstärkt eher Geräusche, statt das Problem zu lösen.
  • Voreinstellung nicht fixieren/dokumentieren: Eine nicht festgehaltene Einstellung geht bei Wartung oder Thermostattausch verloren.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Voreinstellung am Thermostatventil?
Sie begrenzt den maximal möglichen Durchfluss über eine einstellbare Drosselstelle, damit jeder Heizkörper nur seine benötigte Wassermenge erhält. Das ist eine Grundlage des hydraulischen Abgleichs.
Kann ich die Voreinstellzahl direkt berechnen oder ablesen?
Nicht direkt. Zuerst wird der erforderliche kv-Wert aus Soll-Volumenstrom und Differenzdruck bestimmt; die Voreinstellstufe ergibt sich dann aus der Herstellertabelle des konkreten Ventils.
Was ist die Ventilautorität?
Der Anteil des Druckverlustes im geregelten Kreis, den das Ventil selbst übernimmt. Zu niedrige Autorität führt zu grober Regelung und Geräuschen; angestrebt werden meist etwa 0,3 bis 0,5.
Was sind druckunabhängige Thermostatventile?
Ventile, die den eingestellten Durchfluss unabhängig vom Differenzdruck konstant halten. Man stellt direkt den Soll-Volumenstrom ein, der hydraulische Abgleich wird dadurch stabiler.
Praxis-Leitfaden als PDF

Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B – Schritt für Schritt

Vom Soll-Volumenstrom über den kv-Wert bis zur Ventilvoreinstellung – die komplette Berechnungskette als kompakter Leitfaden (13 Seiten), plus drei ausfüllbare PDF-Formulare für Datenaufnahme, Abgleich-Protokoll und Nachweis. Sofort einsetzbar für deine Projekte.

Leitfaden ansehen – 49 € →

Weitere Rechenwege

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Diese Seite erläutert die Zusammenhänge als Orientierung. Für die konkrete Einstellung sind die Kennwerte und Tabellen des eingebauten Ventils sowie die realen Anlagendaten maßgeblich.

Gratis-Download

Datenaufnahme-Checkliste für den hydraulischen Abgleich

Erfasse alle relevanten Gebäude-, Raum-, Heizflächen- und Rohrnetzdaten vor Ort strukturiert – mit der ausfüllbaren Checkliste. Kostenlos per E-Mail.

Double-Opt-In: Du erhältst zuerst eine Bestätigungs-E-Mail. Erst nach deinem Klick senden wir dir die Checkliste.

Voreinstellung nicht mehr mühsam von Hand

Heizung Tools führt Heizlast, Heizkörper, Rohrnetz und hydraulischen Abgleich in einem Projekt zusammen – bis zur Ventilvoreinstellung. Trag dich ein, wenn du über neue Beta-Testplätze informiert werden möchtest.

Kostenlos vormerken →